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Digitalisierung

Geschäftsprozesse dokumentieren: eine einfache Vorlage für KMU

Geschäftsprozesse verständlich dokumentieren: einfache Vorlage, Praxisbeispiel und Checkliste für KMU – als Basis für Digitalisierung und Automatisierung.

Ein Auftrag wird telefonisch angenommen, wichtige Angaben stehen in einer E-Mail und der aktuelle Bearbeitungsstand befindet sich in einer Tabelle. Rückfragen werden nebenbei geklärt. Nur eine Person weiß, was als Nächstes passieren muss.

Solche Abläufe funktionieren häufig – solange alle Beteiligten verfügbar sind und kein ungewöhnlicher Fall eintritt. Soll ein Geschäftsprozess digitalisiert oder automatisiert werden, reicht dieses stillschweigende Wissen nicht mehr aus.

Eine verständliche Prozessdokumentation macht sichtbar, wodurch ein Vorgang beginnt, welche Informationen benötigt werden, wer entscheidet und wann die Arbeit abgeschlossen ist. Für einen klar begrenzten Ablauf genügt als erste Übersicht oft eine Seite. Komplexe oder besonders geregelte Verfahren benötigen zusätzliche Details.

Was bedeutet Prozessdokumentation?

Ein Geschäftsprozess verbindet mehrere Arbeitsschritte zu einem betrieblichen Ergebnis. Aus einer Kundenanfrage entsteht beispielsweise ein geprüftes Angebot. Wer diesen Prozess dokumentiert, beschreibt den vollständigen Weg vom Auslöser bis zum Ergebnis – einschließlich Übergaben und wichtiger Ausnahmen.

Eine brauchbare Beschreibung beantwortet eine einfache Frage: Könnte eine eingearbeitete Vertretung damit erkennen, was zu tun ist und wann sie nachfragen muss?

Welchen Prozess zuerst aufnehmen?

Beginnen Sie nicht mit „der gesamten Verwaltung“, sondern mit einem konkreten Problem: etwa der Angebotsvorbereitung oder einer Auftragsübergabe. Für die Auswahl helfen diese Fragen:

  • Tritt der Ablauf regelmäßig auf?
  • Werden dieselben Angaben mehrfach übertragen?
  • Müssen Mitarbeitende häufig Informationen nachfordern?
  • Ist unklar, wer den nächsten Schritt übernimmt?
  • Bleiben Vorgänge liegen, ohne dass dies jemand bemerkt?
  • Lassen sich Anfang und Ende eindeutig benennen?

Die Checkliste des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk fragt unter anderem nach vorhandenen Systemen, Schnittstellen, mehrfach verwalteten Daten und schlecht funktionierenden Abläufen. Diese Bestandsaufnahme ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für Verbesserungen. Checkliste Prozessdigitalisierung

Vorlage für die erste Prozessaufnahme

Kopieren Sie die folgenden Felder in ein gemeinsames Dokument. Füllen Sie sie zusammen mit einer Person aus, die den Ablauf tatsächlich bearbeitet. Die Vorlage ist eine praktische Einstiegshilfe, kein Nachweis für die Erfüllung bestimmter rechtlicher oder normativer Anforderungen.

Prozesssteckbrief zum Ausfüllen

  • Prozessname: Welcher konkrete Vorgang wird beschrieben?
  • Ziel: Welches Ergebnis soll für Kunde oder Betrieb entstehen?
  • Auslöser: Was startet den Vorgang?
  • Abschluss: Woran ist erkennbar, dass er beendet ist?
  • Verantwortung: Welche Rolle betreut den gesamten Ablauf?
  • Beteiligte und Vertretung: Wer arbeitet mit, wer übernimmt bei Abwesenheit?
  • Eingaben: Welche Daten und Unterlagen werden benötigt?
  • Arbeitsschritte: Was geschieht in welcher Reihenfolge?
  • Systeme und Ablage: Wo werden Informationen erfasst und aufbewahrt?
  • Entscheidungen: Welche Prüfungen und Freigaben sind erforderlich?
  • Ausnahmen: Was passiert bei fehlenden Angaben oder Fehlern?
  • Messgröße: Welche Beobachtung zeigt eine Verbesserung?
  • Pflege: Wer aktualisiert die Beschreibung, und wann wurde sie zuletzt geprüft?

Beschreiben Sie jeden wesentlichen Arbeitsschritt nach demselben Muster: Aktion – zuständige Rolle – benötigte Eingabe – verwendetes System – Ergebnis. So bleiben Übergaben nachvollziehbar.

In sieben Schritten zum dokumentierten Ablauf

1. Die Grenzen festlegen

„Kundenservice“ ist zu weit gefasst. „Kundenanfrage vom Eingang bis zum versendeten Angebot“ benennt dagegen einen konkreten Weg. Halten Sie auch fest, was nicht dazugehört, beispielsweise die spätere Leistungserbringung.

2. Reale Fälle ansehen

Nehmen Sie einige kürzlich bearbeitete Vorgänge: einen normalen Fall, einen mit Rückfragen und möglichst einen mit einer Ausnahme. Verfolgen Sie deren tatsächlichen Weg durch Postfächer, Software und Ablagen.

Notieren Sie auch telefonische Absprachen und persönliche Notizen. Wer nur das gewünschte Verfahren beschreibt, übersieht die Umwege, die heute Zeit kosten. Trennen Sie deshalb den Ist-Ablauf von späteren Verbesserungsideen.

3. Eingaben klären

Welche Angaben müssen vorliegen, bevor die Bearbeitung beginnen kann? Bei einer Anfrage können das Leistung, Einsatzort, Kontaktdaten und Terminwunsch sein. Kennzeichnen Sie, welche Informationen zwingend notwendig und welche nur hilfreich sind.

Fehlt regelmäßig dieselbe Angabe, ist ein besseres Formular möglicherweise wirksamer als eine umfangreiche Automatisierung.

4. Schritte und Rollen zuordnen

Schreiben Sie „Vertrieb prüft die Vollständigkeit“ statt „Frau Müller schaut darüber“. Rollen bleiben auch bei personellen Veränderungen verständlich. Die konkrete Zuordnung zu Personen kann separat gepflegt werden.

Vergessen Sie die Gesamtverantwortung nicht: Die Person, die einen Schritt ausführt, ist nicht zwangsläufig für den gesamten Prozess zuständig.

5. Übergaben sichtbar machen

Eine weitergeleitete E-Mail ist noch keine bestätigte Übernahme. Halten Sie fest, woran die nächste Rolle erkennt, dass sie handeln muss, und wo der aktuelle Status steht.

Prüfen Sie außerdem, welche Datenquelle maßgeblich ist. Wenn Kontaktdaten sowohl in einer Tabelle als auch in der Fachsoftware geändert werden, muss klar sein, welcher Stand gilt.

6. Ausnahmefälle ergänzen

Mindestens diese Situationen sollten besprochen werden:

  • Angaben oder Unterlagen fehlen.
  • Ein Vorgang geht doppelt ein.
  • Eine Freigabe wird abgelehnt.
  • Die zuständige Person ist abwesend.
  • Anforderungen ändern sich nachträglich.
  • Eine Datei oder Schnittstelle funktioniert nicht.

Notieren Sie je Ausnahme, wer sie bearbeitet, welchen Status der Vorgang erhält und wie er wieder in den normalen Ablauf gelangt. Nicht jeder Sonderfall muss automatisch gelöst werden.

7. Mit einer Vertretung testen

Gehen Sie einen Beispielfall anhand der Beschreibung durch. Kann eine beteiligte Vertretung erkennen, wo die Unterlagen liegen und wer entscheiden darf? Wo zusätzliche Erklärungen nötig sind, fehlt möglicherweise eine wichtige Information.

Legen Sie danach einen Verantwortlichen für die Dokumentation fest. Änderungen an Software, Rollen oder Regeln sollten eine erneute Prüfung auslösen.

Beispiel: von der Anfrage zum Angebot

Das folgende Beispiel ist fiktiv und beschreibt kein Kundenprojekt von AuraSolution.

Ein kleiner Betrieb erhält Anfragen über Website, E-Mail und Telefon. Bisher werden Angaben in eine Tabelle kopiert; Angebote entstehen anschließend in einer separaten Anwendung.

Ziel: Ein geprüftes Angebot ist versendet, der Vorgang hat einen nachvollziehbaren Status und eine Wiedervorlage.

  1. Anfrage erfassen: Das Büro legt einen Vorgang an und verknüpft die ursprüngliche Nachricht beziehungsweise Telefonnotiz.
  2. Vollständigkeit prüfen: Fehlende Angaben werden markiert. Der Vorgang erhält den Status „Rückfrage offen“.
  3. Zuständigkeit zuweisen: Ein verantwortlicher Bearbeitender übernimmt die fachliche Einordnung.
  4. Angebot vorbereiten: Freigegebene Informationen werden in die Angebotssoftware übernommen.
  5. Angebot prüfen: Eine berechtigte Person kontrolliert Leistungsumfang, Preise und besondere Vereinbarungen.
  6. Versand dokumentieren: Versanddatum, Status und Wiedervorlage werden festgehalten.

Eine doppelte Anfrage wird mit dem bestehenden Vorgang zusammengeführt. Bei Abwesenheit übernimmt die benannte Vertretung. Ein nicht passender Auftrag wird mit dokumentiertem Abschlussgrund beendet.

Erst jetzt lässt sich gezielt über Verbesserungen sprechen: Braucht der Betrieb vollständigere Eingaben, einen sichtbaren Status oder eine automatische Datenübertragung? Ein neues Komplettsystem ist daraus noch nicht abzuleiten.

Bearbeitungszeit und Wartezeit unterscheiden

Ein Angebot kann zwei Tage bis zum Versand benötigen, obwohl nur 25 Minuten daran gearbeitet wurde. Für Verbesserungen sind deshalb zwei Messgrößen hilfreich:

  • Aktive Bearbeitungszeit: Zeit, in der tatsächlich am Vorgang gearbeitet wird.
  • Durchlaufzeit: Gesamte Zeit zwischen Eingang und Abschluss, einschließlich Wartephasen.

Beispielrechnung mit angenommenen Zahlen: 60 Anfragen im Monat mit jeweils fünf Minuten doppelter Dateneingabe ergeben 300 Minuten, also fünf Stunden manuellen Aufwand. Das ist keine garantierte Einsparung. Prüfung, Ausnahmebehandlung und Pflege bleiben auch nach einer Automatisierung bestehen.

Messen Sie zusätzlich die Zahl der Rückfragen oder liegen gebliebenen Vorgänge. Eine schnellere Dateneingabe löst keine Freigabe, die regelmäßig mehrere Tage wartet.

Welche Darstellung ist sinnvoll?

Für kurze lineare Abläufe reichen häufig eine Checkliste oder nummerierte Schritte. Eine Tabelle hilft, Rollen, Systeme und Ergebnisse zu vergleichen. Bei mehreren Entscheidungen eignet sich ein Flussdiagramm; bei vielen Rollenwechseln kann eine Darstellung mit getrennten Bereichen pro Rolle helfen.

Eine formale Modellierungssprache wie BPMN ist eine Option, aber kein notwendiger Einstieg für jeden kleinen Ablauf. Fraunhofer IAO betont bei der Modellierung unter anderem Verständlichkeit, eindeutige Rollen und eine dem Zweck angemessene Detailtiefe. Arbeitshilfe zur Prozessmodellierung

Was kommt nach der Dokumentation?

Zuerst vereinfachen

Entfernen Sie unnötige Doppelerfassung und klären Sie überflüssige Übergaben. Manche Probleme lassen sich bereits organisatorisch lösen.

Vorhandene Software prüfen

Vielleicht gibt es bereits Pflichtfelder, gemeinsame Ansichten oder Wiedervorlagen, die noch nicht verwendet werden. Nutzen und laufender Aufwand sollten vor einer Neuanschaffung verglichen werden.

Wiederkehrende Schritte verbinden

Sind Eingaben und Regeln eindeutig, kann eine Prozessautomatisierung für KMU beispielsweise Vorgänge anlegen, Daten übertragen oder Zuständige informieren. Die 12 Beispiele für automatisierbare Geschäftsprozesse geben weitere Anhaltspunkte.

Bei Bedarf eine interne Oberfläche ergänzen

Fehlt vor allem eine passende Erfassung, Statusübersicht oder Freigabemaske, kann ein internes Tool sinnvoll sein. Eigene Software ist kein Selbstzweck: Eine geeignete Standardlösung sollte ebenfalls geprüft werden.

Auch E-Rechnungsabläufe profitieren von klar beschriebenen Zuständigkeiten und Übergaben. Diese allgemeine Prozessvorlage ersetzt dabei keine steuerliche Verfahrensdokumentation oder fachliche Prüfung.

Häufige Fehler vermeiden

Nur den Idealprozess beschreiben: Ergänzen Sie Rückfragen, Abwesenheit und technische Fehler.

Jeden Mausklick festhalten: Eine Prozessübersicht beschreibt Zusammenhänge. Ausführliche Bedienhinweise können als separate Arbeitsanweisung verlinkt werden.

Die Software vor dem Problem auswählen: Halten Sie Verbesserungsideen getrennt vom Ist-Ablauf fest, damit die Bestandsaufnahme nicht zur Rechtfertigung eines bestimmten Tools wird.

Vertrauliche Beispieldaten verteilen: Verwenden Sie für gemeinsam genutzte Beispiele möglichst anonymisierte Inhalte und begrenzen Sie Zugriffe auf die benötigten Informationen.

Die Dokumentation nicht pflegen: Benennen Sie Verantwortung, Änderungsdatum und einen Anlass zur erneuten Prüfung.

Abschlusscheck für Ihren Prozess

  • Sind Anfang, Ergebnis und Grenzen eindeutig?
  • Stimmen die Schritte mit tatsächlich bearbeiteten Fällen überein?
  • Sind Rollen und Vertretung bekannt?
  • Ist festgelegt, welche Datenquelle maßgeblich ist?
  • Sind Entscheidungen und wichtige Ausnahmen beschrieben?
  • Findet eine Vertretung die benötigten Informationen?
  • Gibt es eine Messgröße und einen Ausgangswert?
  • Ist klar, wer die Beschreibung aktuell hält?

Häufige Fragen

Welches Programm brauche ich?

Für eine erste Übersicht genügt häufig ein gemeinsames Textdokument oder eine Tabelle. Entscheidend sind ein klarer Ablageort, passende Zugriffsrechte und ein erkennbarer aktueller Stand.

Wer sollte den Prozess aufnehmen?

Beziehen Sie die Menschen ein, die ihn ausführen. Eine Führungskraft allein kennt nicht zwangsläufig alle Rückfragen und Umwege. Freigabe und Pflege gehören anschließend in klar benannte Verantwortung.

Muss jeder dokumentierte Ablauf automatisiert werden?

Nein. Manchmal sind eindeutige Zuständigkeiten oder weniger Arbeitsschritte bereits die richtige Lösung. Automatisiert wird nur, wenn Nutzen, Fehlerbehandlung und Betrieb nachvollziehbar sind.

Was unterscheidet eine Arbeitsanweisung?

Die Prozessbeschreibung zeigt den Gesamtweg und die Übergaben. Eine Arbeitsanweisung erläutert genauer, wie eine einzelne Tätigkeit ausgeführt wird. Beide können miteinander verknüpft sein.

Fazit: eine gemeinsame Sicht auf den Ablauf schaffen

Gute Prozessdokumentation ist kein möglichst großes Handbuch. Sie schafft eine nachvollziehbare Grundlage für Vertretung, Verbesserungen und technische Entscheidungen.

Wählen Sie einen konkreten Vorgang, betrachten Sie reale Fälle und füllen Sie den Prozesssteckbrief gemeinsam aus. Anschließend lässt sich fundierter entscheiden, was vereinfacht, digitalisiert oder automatisiert werden sollte.